
Menstruationshintergrund | Stückentwicklung von Theater praesent
Jo Stöckholzer
was innen geht | von Anja Hilling | Uraufführung

Mein Name ist Ovid. Ich bin vierzehn.
Ich habe eine Katze, drei Jeans und keine Chance.
Ovid lebt mit seiner Mutter im vierzehnten Stock in einer Einzimmerwohnung eines Neubaus. Keiner hat seine Geburtstage gefeiert, keiner seine Haare gekämmt. Ovids Haare sind schwarz und ölig wie das Schwarze Meer, wo sein Erzeuger herkommt, der es bei einer einzigen Nacht mit der Mutter beließ. Die Mutter ist dem Heroin verfallen und bemerkt nicht, dass ihr Sohn zerlegt wird, zerfällt und verschwindet. Ovids Mitschlüler jagen ihn, sie erpressen und missbrauchen ihn. Sein Schutzraum ist die Fantasie, in die er sich flüchtet und mit der er sich verwandlen kann, in Tiere, Pflanzen, Licht. Die Rettung sind die Metamorphosen. Die Verwandlungen erlösen ihn, ohne ihn zu befreien, und obwohl die Welt ihm ins Gesicht spuckt, wütet eine Liebe in ihm, die am Ende explodiert und die Welt selbst verwandelt.
Anja Hilling wirft uns mit ihrem wortgewaltigen Text was innen geht auf schonungslose und direkte Weise hinein in das Leben des 14-jährigen Ovid. Wir tauchen ein in Ovids Gedankenstrom, seinen Alltag und seine Fantasie. Wir erleben seine Innenwelt, seine Selbsteinschätzung und seine Schuldzuweisungen. Im Spannungsverhältnis zwischen Lebensrealität und Wunschdenken begleiten wir seine fieberhafte Suche nach dem ihm zustehenden Glück.
Neben den bisherigen Uraufführungsstätten der Stücke von Anja Hilling (Burgtheater, Maxim Gorki Theater, Münchner Kammerspiele, Thalia Theater Hamburg, Schauspielhaus Wien) findet nun erstmals eine Uraufführung von Anja Hilling im Theater praesent statt.
Wir freuen uns sehr, die Uraufführung von was innen geht geben zu dürfen!
was innen geht wurde im Februar 2013 mit dem Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreis Kaas & Kappes ausgezeichnet.
Spielzeit: 2016
REGIE Philipp Jescheck
MIT Nevena Lukic, Benjamin Lang und Jakob Köhle
AUSSTATTUNG Michele Lorenzini
DRAMATURGIE | PRODUKTIONSLEITUNG Julia Kronenberg
THEATERPÄDAGOGIK Armin Staffler
AUFFÜHRUNGSRECHTE Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, Berlin
Eine Kooperation von Theater praesent und spectACT
Wir freuen uns über die schönen Presseberichte:
„Ein Ereignis, das zeitgenössisches Theater neu erleben lässt. Ein Ereignis, das den Zuschauer an Grenzen gebracht hat. Grenzen, die beim Überschreiten das Abenteuer-Potenzial von Theater aufgezeigt haben. Großer Jubel!“ (Kronenzeitung, 4.3.2016)
„Philipp Jeschek inszeniert mit zwei Schauspielern und einem Musiker. Diese teilen sich die Hauptfigur. Durch ihre Leistung glänzt das Stück. […] Vielleicht ist Tirol für ein in seiner Abstraktheit so rohes und lebensnahes Stück sogar der perfekte Spielort. Es hinterlässt einen mit dem beunruhigenden Gefühl, dass man Jugendliche mit den Gedanken Ovids wohl überall auf dieser Welt finden kann.“ (Der Standard, 4.3.2016)
„Regisseur Philipp Jeschek verwendet Anja Hillings Text wie eine Partitur, setzt manche Sätze als Chor, stellt die singuläre Schönheit anderer aus, nützt deren Drastik für Dramatik. Effektiv auch der kluge Einsatz von Videotechnik: Dadurch wird Ovid, wechselnd gespielt von Nevena Lukic, Benjamin Lang und Jakob Köhle, ganz klein gemacht im Dialog mit unheilvollen Mächten. Noch effektiver die von Köhle mit einfachsten Mitteln auf die Bühne gezauberte Tonspur: Unbarmherzig ratternd entsteht beklemmende Spannung, die eingesetzten Versatzstücke eröffnen assoziative Räume und erlauben ironische Erleichterung. […] Wenn man nicht wüsste, dass sich im Theater nichts konservieren lässt, hätte man selbst gern das ein oder andere Mal auf den Auslöser gedrückt.“ (Tiroler Tageszeitung, 4.3.2016)








